Die historische Mühle «Muglin da Ftan» (Unterengadin): Projektbeschreibung
Tue 23.01.2024
Einleitung, Bedeutung der Mühle
Das inneralpine Tal Unterengadin ist seit der frühen Bronzezeit (um 2000 v. Chr.) charakterisiert durch Bauernkulturen, deren Arbeit und deren Lebens- und Wirtschaftsformen. Lange Zeit prägten Kornfelder die terrassierte Landschaft, um die Selbstversorgung der Bevölkerung und seiner Viehhabe zu sichern. An den Bergbächen standen zahlreiche Gersten- und Dinkelstampfen und die Mühlen. Die alte Mühle von Ftan ist der letzte intakte Zeuge dieser Tradition und erzählt von der einstmals reichen Kornkultur des Unterengadins.
Im Gebäude befinden sich zwei Mühlen im Originalzustand. Die Bauzeit der älteren Mühle liegt ca. 400 Jahre zurück und ist laut dem Schweizer Heimatschutz die älteste, noch im Original funktionierende Mühle der Schweiz. Der Antrieb der Läufersteine erfolgt über die Wasserschaufeln und die Holzwellen zu den hölzernen Zahnrädern. Die zweite sich im Gebäude befindende Mühle wurde zwischen 1832 und 1835 eingebaut.
Nachdem 1998 die Kundenmüllerei eingestellt wurde, konnte der Betrieb für Besucher durch die Tochter des letzten Müllers, Cilgia Florineth (in 5. Generation der Müllerfamilie Florineth), sichergestellt werden. Sie vermittelt interessierten Besucher*innen persönlich die Geschichte sowie ihr fachkundiges Wissen über das technische Meisterwerk und über die frühere Müllerei. So ist heute die Ftaner Mühle ein von Generationen geprägtes Erbe und ein letzter Zeuge der einstigen reichen Kornkultur im Unterengadin. Die «Muglin da Ftan» hat eine nachhaltige Ausstrahlung auf die in weiten Teilen noch erhaltene, seit Jahrtausenden gewachsene Kulturlandschaft des Unterengadins.
Das Gebäude steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. Es wurde 1972 durch den Schweizer Heimatschutz erworben, saniert und so vor dem Verfall gerettet. Da sich im Lauf der Zeit zeigte, dass die Verwaltung der "Muglin da Ftan" sinnvollerweise vor Ort und durch Ortsansässige erfolgen sollte, wurde die Mühle 2014 in eine Stiftung überführt (Fundaziun muglin da Ftan). Oberhalb der Mühle findet sich ein kleiner Garten für alte Sorten alpiner Kulturpflanzen, der ebenfalls besichtigt werden kann, und der durch die Stiftung Pro Terra Engiadina (www.proterrae.ch) und den Verein für alpine Kulturpflanzen unterhalten wird.
Bereits realisierte technische Sanierungsarbeiten
Die technischen Einrichtungen der Mühle (neue Achse der jüngeren Mühle, Sanierung der Wasserkammer inkl. Abbruch und Neuaufbau) konnten bereits im Lauf des Sommers 2022 realisiert werden. Die Finanzierung erfolgte durch die Eidgenossenschaft, die Denkmalpflege des Kanton Graubünden und eine private Basler Stiftung. Diese Restaurierungsarbeiten gewährleisten die zukünftige technische Funktionsfähigkeit der Mühle und sichern so ein bedeutendes, einzigartiges Zeugnis der Technologiegeschichte und der frühen Nutzung der Wasserkraft.
Notwenige Sanierung des denkmalgeschützten, historischen Mühlegebäudes (inkl. Museumsteil) und seiner Umgebung sichert langfristigen Erhalt und ist damit nachhaltig
Um die langfristige Erhaltung und Funktionstüchtigkeit der «Muglin da Ftan» sicherzustellen und damit auch künftigen Generationen dieses bedeutende Zeitzeugnis historischer Kultur- und Technologiegeschichte präsentieren und vermitteln zu können, ist die Renovation des historischen Mühlengebäudes eine zentrale Voraussetzung. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch in Zukunft der notwenige Unterhalt und der Betrieb der Mühle möglich ist und damit regelmässig Führungen und Demonstrationen durchgeführt werden können. Die notwendige Renovation ermöglicht also eine zukünftige und langfristige Nutzung der historischen Mühle in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Tourismus durch die Vermittlung historischer bäuerlicher Kultur-, Technologie- und Wirtschaftsgeschichte des Unterengadins.
Die Renovationsarbeiten sind aus zwei Gründen notwendig. Erstens, um den Besucher*innen im Museumsteil weiterhin die Geschichte der Kornkultur des Engadins präsentieren zu können (hier bestehen enge Kontakte mit div. Bildungsinstitutionen und der lokalen Toursimusorganisation). Zweitens, um für die derzeitige Bewohnerin und Betreiberin der Aktivitäten bei der Mühle, Cilgia Florineth, einen angemessenen und zeitgemässen Wohnkomfort zu bieten. Wie bereits oben erwähnt, sind die Renovationsarbeiten sodann insbesondere im Hinblick auf eine längerfristige zukünftige Nutzung der Mühle bedeutsam. Für allfällige zukünftige Nutzungen sind wir mit der Stiftung Pro Terra Engiadina in engem Kontakt; deren Leiterin, Dr. Angelika Abderhalden, hat uns auch bei der Ausarbeitung des Betriebskonzeptes unterstützt. Dieses beinhaltet die Szenarien für eine zukünftige Nutzung der Mühle. Ohne ein solches Betriebskonzept können Kanton und Bund keine Unterstützungszahlungen an die Sanierung leisten. Die Sanierung soll damit auf viele Jahre hinaus Nachhaltigkeit gewährleisten
Derzeitiger Zustand des Wohngebäudes und geplante Renovationsarbeiten
Zurzeit befindet sich das Wohngebäude (inkl. Museumsteil) in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. Alle Wasser¬leitungen müssen erneuert werden, da sie nur über Notreparaturen in Funktion gehalten werden können. Die Heizbarkeit des Gebäudes muss neu geregelt und das gesamte Gebäude muss energetisch saniert werden. Das bedeutet insbesondere, dass die Elektroleitungen und Elektroanalgen inkl. Beleuchtungen komplett erneuert werden müssen, um in Zukunft eine drohende Brandgefahr ausschliessen zu können. Hauswände müssen innen und aussen saniert werden, sowie Isolationen erneuert oder neu eingesetzt werden. Sämtliche sanitären Einrichtungen sowie die Küche müssen erneuert werden. Ebenso bedarf der Hang hinter der Mühle mittels einer Terrassierung durch Trockenmauern einer Befestigung. Damit leisten wir einen Beitrag zur Pflege naturnaher Kulturlandschaft.
Die Vorarbeiten und Planungen für diese notwendigen Renovationsarbeiten konnten bis Mitte 2023 abgeschlossen werden. Diese Arbeiten wurden durch die Bürgergemeinde Scuol, eine private Stiftung sowie durch das Stiftungskapital der Fundaziun da Muglin da Ftan finanziert. Als erstes wurde im September 2022 eine 3D-Vermessung des Gebäudes und von dessen Umgebung realisiert (durch das Büro GeoAlpin, Scuol). Darauf basierend wurde das Bauleitungsbüro Bulfoni aus Scuol mit der Detailausarbeitung der Pläne beauftragt. Diese Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege Graubünden.
Auf der Grundlage all dieser Vorarbeiten hat das Bauleitungsbüro Bulfoni einen Kostenvoranschlag für die geplanten Renovationsarbeiten ausgearbeitet.
Zeitplan
Die Ausarbeitung der Baupläne sowie die Kostenberechnung wurde durch die Bürgergemeinde Scuol unterstützt (Fr. 10'000). Demnach beläuft sich der Kostenvoranschlag für die Renovation auf insgesamt Fr. 1'063'000.
Nach Rücksprache mit der kantonalen Denkmalpflege Graubünden dürfen wir mit einer staatlichen (Kanton und Bund) Unterstützung von mindestens Fr. 50'000 rechnen. Es verbleibt also eine Summe von rund Fr. 1’000’000, welche es zu finanzieren gilt. Dafür haben wir verschiedene Geldgeber angefragt.
Aus lokalen und regionalen Quellen sind uns bisher Total 131'550 Fr. zugesagt resp. in Aussicht gestellt (Zugesagt: vom Verein Pro Ftan zu Lasten des Legats der Dr. Stephan à Porta-Stiftung Fr. 100'000.-, von der Corporaziun Energia Engiadina 25'000.-, vom Historisch-Antiquarischen Fonds der Familie von Planta Fr. 4500.-, von verschiedenen pribaten Gönnern Fr. 2050.-). Von Gemeinde und Bürgergemeinde sind 80'000 Fr. in Aussicht gestellt. Feste Zusagen im Umfang von 586'000 Fr. haben wir von verschiedenen Stiftungen erhalten (vom Fonds Landschaft Schweiz im Umfang von Fr. 50'000, einer privaten Basler Stiftung im Umfang von Fr. 250'000.-, der Ernst Göhner Stiftung Zug im Umfang von Fr. 50'000, der Stiftung zur Erhaltung Schweizerischen Kulturgutes Fr. 1000.-, der Sophie und Carl Binding Stiftung Basel im Umfang von Fr. 70'000.-, von Pro Patria Fr. 15'000.-, der Fondation Claude et Giuliana (Vaduz) Fr. 25'000.- und vom Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich Fr. 150'000.- (Eingabe durch Stiftung Landschaftsschutz Schweiz). Somit verbleiben noch rund 200'000.- Fr. zu finanzieren.
Dank eines zinslosen Darlehens über die ganze Projektsumme (von einer privaten Basler Stiftung) werden die Bauarbeiten nach Ostern 2025 beginnen. Wir sind zuversichtlich, im Laufe von 2025 alle nötigen Mittel zusammenzubekommen, indem wir weitere Anträge einreichen. Wir sind dankbar für jede Spende!